Freitag, 11. September 2026 · Rolled info@rolled.at
Radfahren

Darum werden Sie im Oktober auf dem Rad plötzlich übersehen

17. Oktober 2025

Man fährt los, und es ist noch hell. Vierzig Minuten später steht man an einer Kreuzung in einem grauen Zwielicht, das keine richtige Nacht ist und kein richtiger Tag - und der Autofahrer, der links abbiegt, schaut durch einen hindurch. Nicht bösartig. Er sieht einen schlicht nicht.

Der Oktober ist statistisch einer der unangenehmsten Radmonate. Nicht wegen Eis oder Sturm, sondern wegen dieser eineinhalb Stunden Dämmerung, in denen das menschliche Auge am schlechtesten arbeitet.

Warum Dämmerung schlimmer ist als Dunkelheit

In der Nacht ist alles klar: Lichter sind Lichter, dunkel ist dunkel, das Gehirn stellt um. In der Dämmerung dagegen ist noch genug Restlicht da, dass niemand das Bedürfnis hat, das Licht einzuschalten, aber zu wenig, um Kontraste zu erkennen. Ein dunkler Radler vor einer nassen Hausmauer verschwindet regelrecht.

Dazu kommt der Blendungswechsel. Ein Autofahrer, der aus einer beleuchteten Straße in eine dunkle Nebengasse einbiegt, braucht mehrere Sekunden, bis seine Augen umgestellt haben. In diesen Sekunden ist er praktisch blind für alles, was nicht selbst leuchtet.

Licht: nicht sehen, sondern gesehen werden

Viele kaufen ein starkes Frontlicht, weil sie die Straße sehen wollen. Verständlich. Aber in der Stadt ist die Straße meistens ohnehin beleuchtet. Das Problem ist die Sichtbarkeit von der Seite.

Deshalb: Reflektoren in den Speichen sind kein Kinderkram, sondern das Wirksamste überhaupt. Ein rotierender Reflektor erzeugt eine Bewegung, die das Gehirn sofort als Fahrzeug erkennt. Reflexstreifen an Knöchel oder Pedal wirken aus demselben Grund - Bewegung fällt auf, Fläche nicht.

  • Das Rücklicht bitte nicht blinken lassen, wenn es sich vermeiden lässt. Ein blinkendes Licht macht die Entfernungsschätzung schwerer.
  • Batteriestand vorher prüfen. Ein sterbendes USB-Licht ist heimtückisch, weil es langsam dunkler wird und man es selbst nicht merkt.
  • Und ja, die vorgeschriebene Radbeleuchtung ist in Österreich tatsächlich Pflicht bei Dunkelheit und schlechter Sicht. Details am besten bei einer offiziellen Stelle nachlesen.

Die Sache mit der Warnweste

Niemand will so aussehen. Ich auch nicht. Aber es gibt inzwischen genug Jacken mit eingearbeiteten Reflexelementen, die im Tageslicht völlig normal wirken und nachts aufleuchten wie ein Christbaum.

Wenn Sie nur eine Sache ändern: Nehmen Sie den Rucksack. Rucksäcke sind fast immer schwarz und sitzen genau dort, wo ein Autofahrer hinschaut. Eine Reflexhülle darüber kostet wenig und verändert die Sichtbarkeit dramatisch.

Nasses Laub ist gefährlicher, als es aussieht

Der zweite Oktober-Klassiker. Laub auf Kopfsteinpflaster oder auf einem Radweg entlang einer Allee ist bei Nässe ungefähr so griffig wie Butter. Besonders tückisch: die Stelle unter der Kastanie, wo das Laub seit drei Tagen liegt und darunter schon dunkel wird.

Dort nicht bremsen, nicht lenken, nicht treten. Einfach ausrollen lassen. Klingt passiv, funktioniert aber.

Die Route neu denken

Im Sommer nimmt man gern die schöne Strecke durch den Park. Im Herbst ist genau die oft die schlechteste: unbeleuchtet, feucht, mit Laub. Eine Straße mit Radweg und Laternen ist um diese Zeit angenehmer, auch wenn sie lauter ist.

Ein Freund von mir hat sich eine Winterroute und eine Sommerroute angelegt. Klingt übertrieben, ist aber schlau. Sie unterscheiden sich um vier Minuten und um sehr viel Unbehagen.

Der Blick, den man üben kann

Es gibt eine kleine Angewohnheit, die viel bringt: An jeder Kreuzung kurz schauen, ob die Person im Auto das Gesicht zu einem dreht. Nicht das Auto beobachten, sondern den Menschen. Räder rollen, Menschen schauen. Wer nicht schaut, hat einen nicht gesehen.

Das ist kein Misstrauen, das ist einfach Erfahrung. Und es kostet nichts.

Regen kommt dazu

Im Oktober ist nicht nur das Licht schlecht, sondern oft auch die Windschutzscheibe des Gegenübers. Beschlagen, verschmiert, mit einem Wischer, der Schlieren zieht.

Das heißt für Sie: Bei Regen noch früher sichtbar sein, noch defensiver an Kreuzungen. Und selbst: eine Brille mit Regen ist unangenehm, ein Helm mit Schirm hilft mehr als jede Beschichtung.

Was auch dazugehört: Schutzbleche. Ein Rad ohne Schutzbleche ist im Oktober ein Rad, das man stehen lässt, weil man nicht mit einem nassen Streifen am Rücken ins Büro will. Das ist der häufigste Grund, warum Leute im Herbst aufhören zu fahren.

Trotzdem hinausfahren

Der Herbst hat auf dem Rad etwas, das kein anderer Monat hat. Die Luft riecht anders, die Donau liegt still, und die Stadt wirkt um sechs Uhr abends wärmer, als sie ist. Wer sich sichtbar macht, muss auf nichts davon verzichten.

Und ehrlich: Nach der ersten Fahrt mit ordentlichem Licht fragt man sich, warum man jahrelang mit einer Funzel unterwegs war.

Schlagwörter: , , ,

Das könnte Sie auch interessieren