Man steigt drauf, drückt den Knopf, und los geht es. Kein Führerschein, keine Anmeldung, keine Einschulung. Genau das ist der Charme des E-Scooters - und genau deshalb fahren so viele Menschen mit einer sehr vagen Vorstellung davon herum, was eigentlich erlaubt ist.
Ich habe im Herbst eine Weile am Wiener Ring gestanden und einfach nur geschaut. Was man da sieht, ist keine Bosheit. Es ist Unwissen, gemischt mit dem Gefühl, dass so ein Roller ja irgendwie kein richtiges Fahrzeug ist.
1. Der Gehsteig ist tabu
Das ist der Klassiker. E-Scooter sind in Österreich verkehrsrechtlich im Wesentlichen wie Fahrräder eingestuft, und Radfahren am Gehsteig ist bekanntlich keine gute Idee. Wenn ein Radweg da ist, gehört man dorthin. Sonst auf die Fahrbahn.
Für Fußgänger ist das ein spürbarer Unterschied. Ein Scooter mit 20 km/h auf einem drei Meter breiten Gehsteig fühlt sich für jemanden mit Rollator an wie ein heranrauschender Zug. Das ist nicht übertrieben, das ist einfach Physik plus Schrecksekunde.
2. Zu zweit fahren geht nicht
Es sieht lustig aus, es ist auch lustig, und es ist trotzdem eine schlechte Idee. Ein E-Scooter ist für eine Person gebaut. Zu zweit verändert sich der Schwerpunkt so stark, dass eine normale Ausweichbewegung zum Sturz wird. Und beim Sturz vom Scooter fällt man ungebremst nach vorne, weil die Räder klein sind und die Trittfläche keine Zeit zum Abfangen lässt.
3. Alkohol zählt genauso
Die Vorstellung, dass man mit dem Scooter „eh sicher heimkommt“, ist gefährlich naiv. Für Fahrräder und damit auch für E-Scooter gelten in Österreich eigene Promillegrenzen, und Strafen gibt es sehr wohl. Die genauen Werte und Beträge sollten Sie im Zweifel bei einer offiziellen Stelle nachlesen - sie sind nicht bloß symbolisch.
Vor allem aber: Nach zwei Spritzern ist die Feinmotorik weg, und beim Scooter ist Feinmotorik alles. Das Ding lenkt über die Hüfte, nicht über die Arme.
4. Licht und Bremsen sind vorgeschrieben
Ein E-Scooter braucht funktionierende Bremsen, Beleuchtung und Rückstrahler. Bei Leihgeräten ist das meist erledigt. Bei privaten Scootern - besonders bei billigen Modellen aus dem Internet - schaut es oft anders aus, und im November um halb sechs merkt man das sehr schnell.
Ein Tipp aus der Praxis: Testen Sie die Bremse einmal im Monat bewusst, auf trockenem Asphalt, ohne Verkehr. Sie werden überrascht sein, wie schleichend die Bremswirkung nachlässt.
5. Abstellen ist kein Freiraum
Der Scooter mitten am Gehsteig, quer, mit ausgeklapptem Ständer - das ist der Grund, warum viele Städte inzwischen strenge Abstellzonen haben. Wien hat dafür markierte Flächen, in Graz und Salzburg gelten je nach Anbieter und Zone eigene Regeln.
Die einfache Faustregel: Würde ein Kinderwagen noch bequem vorbeikommen? Wenn nicht, stellen Sie ihn um. Es dauert vier Sekunden.
6. Kinder und Helme
Für Kinder gilt in Österreich bis zum zwölften Geburtstag eine Helmpflicht am Rad, und diese Logik wird auch auf E-Scooter angewendet. Für Erwachsene ist der Helm freiwillig - was ich persönlich für die schlechteste aller Freiheiten halte. Die typische Scooter-Verletzung ist nämlich nicht das gebrochene Bein, sondern der Kopf.
7. Der Untergrund entscheidet
Kleine Räder plus Schienen plus Nässe ist eine miese Kombination. Bimschienen quert man möglichst im rechten Winkel, Kanaldeckel bei Regen meidet man, und Laub im Herbst ist trügerischer als Schnee, weil man es unterschätzt.
Ich bin einmal in der Josefstadt auf nassem Laub weggerutscht, bei vielleicht 12 km/h. Der Ellbogen hat drei Wochen gebraucht.
Der Vergleich, der alles einordnet
Ein E-Scooter mit 20 km/h ist ungefähr so schnell wie ein gemütlich fahrendes Fahrrad. Das klingt harmlos, und im Fahren fühlt es sich auch so an.
Der Unterschied liegt im Bremsen und im Stürzen. Ein Rad hat große Räder, eine tiefere Sitzposition und Beine, die im Notfall abstützen. Der Scooter hat nichts davon.
Deshalb ist die richtige Denkweise nicht: „Es ist ja nur ein Roller.“ Sondern: „Ich bin so schnell wie ein Rad und habe weniger Reserven.“ Wer so fährt, fährt automatisch vorausschauender - und hat trotzdem alles vom Scooter, was ihn attraktiv macht.
Warum das trotzdem ein gutes Verkehrsmittel ist
Bei aller Kritik: Für die Strecke zwischen zwei und fünf Kilometern ist der E-Scooter oft konkurrenzlos. Man schwitzt nicht, man sucht keinen Parkplatz, man ist unabhängig vom Fahrplan. Und für die letzte Etappe nach der Öffi-Fahrt ist er genau das, was gefehlt hat.
Der Scooter ist kein Spielzeug. Wer ihn wie ein Fahrzeug behandelt, hat plötzlich ein erstaunlich brauchbares Fahrzeug.



